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Eden

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Paradies; Garden of God; Garden of Eden; Bit-Adini

Lokalisierungsvorschläge

  • kein Lokalisierungsvorschlag (odb)   

Namensformen AT

עדן ‘edæn. Εδεμ/παραδεισος. „Wonne, Luxus”

Belege AT

Gen 2,8; Gen 2,10; Gen 2,15; Gen 3,23‒24; Gen 4,16; 2Kön 19,12; Jes 37,12; Jes 51,3; Ez 27,23; Ez 28,13; Ez 31,9; Ez 31,16; Ez 31,18; Ez 36,35; Jo 2,3; (Am 1,5)

Belege aus altorientalischen Dokumenten

bīt-adini (neuassyrisch: Parpola, Simo 1970a, 75−77; Bagg, Ariel M. 2007a, 44f)

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

*‘dn (4QGenb frg.1ii,2: Ulrich, Eugene 2010a, 6)
dn (Targume: Díez Macho, Alejandro 1988a, 12–15.24–27.34f)

Beschreibung

Die alttestamentlichen Überlieferungen unterscheiden zwischen „Eden“ und „Garten Eden“ (Gen 2,15; Gen 3,23‒24; Ez 36,35; Jo 2,3). Daneben ist vom „Garten in Eden“ (Gen 2,8) bzw. vom „Garten Gottes in Eden“ (Ez 28,13) die Rede. Die mehrfach verwendete Bezeichnung „Garten Gottes“ (Ez 28,13; vgl. Ez 31,8‒9;) bzw. „Garten Jhwhs“ (Gen 13,10; Jes 51,3) deutet darauf hin, dass es sich um eine symbolische oder mythische Geographie handelt und Eden in diesen Erzählzusammenhängen keine lokalisierbare Landschaft meint. LXX verwendet daher in den Fällen, wenn vom „Garten Eden“ die Rede ist oder wenn der Erzählzusammenhang diesen Garten meint, die Ausdrücke παράδεισος (Gen 2,8; Gen 2,15; Jo 2,3) oder τρυφή „Luxus“ (Ez 31,16; Ez 31,18; Ez 36,35) bzw. eine Kombination beider Termini (Gen 3,23‒24; Ez 28,13; Ez 31,9). Lediglich an den Stellen, wo eine topographisch fassbare Landschaft gemeint sein könnte, transkribiert LXX die hebräische Form und schreibt Εδεμ (Gen 2,10; Gen 4,16; 2Kön 19,12) oder verzichtet auf eine Übersetzung (Jes 37,12; Ez 27,23). Ungeachtet der Differenzierungen innerhalb der biblischen Überlieferung wird Eden in der Nachfolge einer einflussreichen Studie von Friedrich Delitzsch (Delitzsch, Friedrich 1881a) häufig im Zweistromland gesucht, entweder im Bereich des Persischen Golfs (Dietrich, Manfried 2001a) oder weiter im Norden, wo im frühen 1. Jt. v.Chr. das aramäische Kleinkönigtum bīt-adini lag (Lemaire, André 1981a). Meist wird dabei auf die „Paradiesgeographie“ (Gen 2,10−14), in der Tigris und Eufrat als zwei von Eden ausgehende Ströme genannt sind, und auf Gen 2,8 verwiesen, wo es heißt, Jhwh baute einen Garten „in Eden, im Osten“ be‘edæn miqqædæm. Allerdings sind weder die beiden anderen in Gen 2,10−14 genannten Ströme Pischon und Gihon (Gihon, Strom) noch die Landschaften Hawila (Arabien) und Kusch (Nubien), die zur Erklärung der Lage von Pischon und Gihon angeführt werden, im Zweistromland zu lokalisieren, obwohl entsprechende Vorschläge unterbreitet wurden (Hölscher, Gustav 1949a; Dietrich, Manfried 2001a). Daher sollte „Eden“ bzw. der „Garten Eden“ nicht im Zweistromland gesucht werden, zumal der Ausdruck miqqædæm auch als „am Anfang, ursprünglich“ übersetzt werden kann (vgl. u.a. Ps 74,12; Ps 76,6; Ps 76,12). In diesem Sinn verstehen zumindest die frühen Übersetzungen die Wendung be‘edæn miqqædæm in Gen 2,8. LXX übersetzt hier κατά ’ανατολὰς und die Vulgata a principo. Allenfalls die Belegstellen, die „Eden“ eindeutig als Landschaftsnamen neben Toponymen aus dem nördlichen Mesopotamien wie Gosan (guzāna/Tell Ḥalaf 36º40'N.40º00'E), Haran (arrān/Altĭnbaşak 38º02'N.36º52'E) oder Assur anführen (2Kön 19,12; Jes 37,12; Ez 27,23), könnten aufgrund der Namensähnlichkeit an eine Gleichsetzung mit bīt-adini denken lassen. Allerdings scheint bīt-adīni auch unter der Namensform Bet-Eden im Alten Testament belegt zu sein (Am 1,5). Das Kleinkönigtum bīt-adini mit dem Residenzort til barsip (Tell el-Aḥmar 36º40'N.38º00'E) lag beiderseits des mittleren Eufrat östlich und südlich der von Karkemisch (gargamiš/Ǧerāblus 36º50'N.38º00'E) kontrollierten Region. Bīt-adini entrichtete seit etwa 875 v.Chr. Tribute an Assur und wurde 855 v.Chr. assyrische Provinz. Ob bzw. aus welchen Gründen der Name des aramäischen Kleinkönigtums auf die Vorstellung vom Garten „in Eden“ übertragen wurde, ist unerfindlich. Seit hellenistischer Zeit wurde die Vorstellung von Eden mit Jerusalem bzw. mit dem Tempel von Jerusalem verbunden (vgl. Ez 47). Anhaltspunkte dafür könnten die bei Jerusalem gelegene Gihonquelle (Gihon, Quelle; 1Kön 1) und der östlich der Stadt im Kidrontal angelegte Königsgarten gewesen sein (2Kön 25,4), der bis in persische Zeit bestand (Neh 3,15). Stellenweise wird er mit dem persischen Lehnwort pardes bezeichnet (Neh 2,8), dem griech. παράδεισος entspricht. Zudem beeinflusste die Anlage des Königsgartens möglicherweise die literarische Gestaltung des Gartens in der Erzählung von Gen 2‒3.

[Detlef Jericke, 2015]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 18:55:08

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • RLA 2 (1938), 33f (Honigman, Ernst, Art. Bit-Adini)
  • BHH 1 (1962), 365f (Ringgren, Helmer, Art. Eden)
  • NBL 1 (1991), 466f (Görg, Manfred, Art. Eden); 3 (2001), 65 (Görg, Manfred, Art. Paradies)
  • ABD 2 (1992), 281–283 (Wallace, Howard N., Art. Eden); 2 (1992), 906f (Wallace, Howard N., Art. Garden of God)
  • WiBiLex 2006 (Pfeiffer, Henrik, Art. Eden)
  • EBR 6 (2013), 821-822 (Nissinen, Martti, Art. Dilmun); 7 (2013), 362-391 (Spieckermann, Hermann u.a., Art. Eden, Garden of)

 

Literatur

Delitzsch, Friedrich 1881aAlbright, William Foxwell 1922aHölscher, Gustav 1949a , 35-44 ;  Driver, Godfrey Rolles 1958aSimons, Jan 1959a , 5f § 19 ;  Cassuto, Umberto 1961a , 114-121 ;  Gispen, Willem H. 1966aUssishkin, David 1971aStolz, Fritz 1972aLipiński, Edward 1973aWestermann, Claus 1974a , 284−287 ;  Zadok, Ran 1976aGörg, Manfred 1977aLemaire, André 1981aMillard, Alan Ralph 1984aGonçalves, Francolino J. 1986a , 458−461 ;  Sader, Hélène S. 1987a , 47−98 ;  Ottosson, Magnus 1988aGörg, Manfred 1991a , 3−12 ;  Röllig, Wolfgang / Sader, Hélène S. 1991aMillard, Alan Ralph 1993aRuiten, Jacques T. A. G. M. van 1999aStordalen, Terje 2000aDietrich, Manfried 2001aJericke, Detlef 2001aJericke, Detlef 2003aScafi, Alessandro 2006aElior, Rachel 2007aSchmid, Konrad / Riedweg, Christoph 2008aStordalen, Terje 2008aBryce, Trevor 2009a , 125f ;  Kooij, Arie van der 2010aElior, Rachel 2010aBockmuehl, Markus / Stroumsa, Guy G. 2010aAckerman, Susan 2013aJericke, Detlef 2013a , 25f ;  Zevit, Ziony 2013aVander Stichele, Caroline / Scholz, Susanne 2014aMorvillez, Eric 2014aLipiński, Edward 2018a , 139-142 ;