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Midian

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

Belege AT

Gen 36,35; Ex 2,15-16; Ex 3,1; Ex 4,19; Ex 18,1; Num 22,4; Num 22,7; Num 25,15; Num 31,3; Num 31,7-9; Jos 13,21; Ri 6,2-3; Ri 6,6-7; Ri 6,11; Ri 6,16; Ri 6,33; Ri 7,2; Ri 7,7; Ri 7,12; Ri 7,14; Ri 7,24; Ri 8,1; Ri 8,5; Ri 8,12; Ri 8,26; Ri 8,28; Ri 9,17; 1Kön 11,18; Jes 9,3; Jes 10,26; Jes 60,6; Hab 3,7; Ps 83,10; 1Chr 1,46 PN: Gen 25,2; Gen 25,4; 1Chr 1,32-33

Belege aus altorientalischen Dokumenten

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Μαδιaμ (Apg 7,29; Eusebius, Onomastikon 124,8-14: Notley, R. Steven/Safrai, Ze’ev 2005a, 118f, Nr. 650)
Μαδιανη (Josephus, antiquitates 2,257)
Μαδιαμα (Klaudios Ptolemaios, geographikē 6,7,27: Stückelberger, Alfred / Graßhoff, Gerd 2006b, 628f)
Μοδιανα (Klaudios Ptolemaios, geographikē 6,7,2: Stückelberger, Alfred / Graßhoff, Gerd 2006b, 620f)
Madian (Hieronymus, In Isaiam 60,6: MignePL 24, 590)
Madianitas (Hieronymus, In Ezechielem 25: MignePL 25, 233)

Beschreibung

Nur wenige Belege kennzeichnen Midian als Orts- oder Landschaftsnamen. Ex 2,15 und Hab 3,7 sprechen vom „Land Midian“ ’æræṣ midjān, so auch Apg 7,29 (γῆ Μαδιάμ) mit Bezug auf Ex 2-3. In Jes 60,6 scheint Midian ebenfalls Landschaftsname zu sein, während der griechische Text zu 1Kön 11,18 Midian als „Stadt“ bezeichnet. Mehrheitlich meint Midian jedoch einen Stämmeverband (Num 31,8; Jos 13,21), so etwa die häufigen Belege in der Gideongeschichte Ri 6-8. Midianiter bewegen sich sowohl in Moab im Ostjordanland (Gen 36,35; Num 22; Num 25; Num 31) als auch im zentralen Westjordanland (Ri 6,33). Gen 37,28 und Gen 27,36 sind „midianitische“ Händler genannt, die mit einer Karawane von Kanaan nach Ägypten ziehen. Im gleichen Zusammenhang ist von „Ismaelitern“ die Rede. Midianiter/Ismaeliter scheinen hier allgemein protoarabische Beduinen zu bezeichnen. Daneben wird Midian als Personenname in genealogischen Listen aufgeführt (Gen 25,2; Gen 25,4; 1Chr 1,32-33). Obwohl der Name Midian im Alten Testament nicht eindeutig ist, wird meist davon ausgegangen, Midian sei ursprünglich die Bezeichnung einer Region in Nordwest-Arabien gewesen, die östlich des Golfs von ‘Aqaba im nördlichen Ḥeǧāz lag. Archäologisch ist für diese Region eine hochstehende materielle Kultur für die ausgehende Spätbronzezeit (13./12. Jh. v.Chr.) nachgewiesen. Charakteristisch ist eine zweifarbig mit geometrischen Mustern und Tiermotiven bemalte Keramik, die gern als „midianitische“ Keramik oder als „Midianiter-Ware“ bezeichnet wird. Hauptfundplatz dieser Keramik ist al-Qurayya in der Provinz Tabūk in Nordwest-Arabien ca. 140 km südöstlich von el-‘Aqaba (zur Lage Högemann, Peter u.a. 1987a; Wagner, Jörg / Rademacher, Rochus 1988a). Sie ist auch in Timna/Mene‘iye auf der Sinaihalbinsel (Länge 34.956159, Breite: 29.782286) in größerer Anzahl nachgewiesen. Vereinzelte Stücke finden sich noch an Siedlungsplätzen im nördlichen Negeb und im südlichen palästinischen Kulturland. Durch neuere Ausgrabungen v.a in Tema/Taymā‘ ca. 320 km südöstlich von el-‘Aqaba ist eine ähnliche Kultur auch für das 1. Jahrtausend v.Chr. dokumentiert. Für die Lokalisierung Midians in Nordwest-Arabien spricht zunächst, dass Midian zu den Söhnen der Ketura gezählt wird (Gen 25; 1Chr 1), deren Namen, soweit sie identifizierbar sind, nach Arabien weisen. Dagegen ist die Auswertung der Belege in Ex 2−4 problematischer. Der vermeintlich lokale Zusammenhang von Midian mit dem „Gottesberg Horeb“ (Ex 3,1) ist von der Syntax des Verses her nicht eindeutig. Zudem ist die These, der Gottesberg Horeb/Sinai (Sinai, Berg) sei in Nordwest-Arabien zu suchen, nicht aufrechtzuerhalten. Erst in Dokumenten der römischen und byzantinischen Zeit und bei mittelalterlichen arabischen Geographen ist eine Stadt Μαδιανη bzw. Μαδιaμ in der Region östlich des Golfs von ‘Aqaba nachgewiesen. Josephus kennt die Stadt Μαδιανη in der Nähe des „Roten Meeres“ (antiquitates 2,257). Ptolemaios unterscheidet zwischen einem nördlichen Μοδιανα am ailanitischen Meerbusen, d.h. am Golf von ‘Aqaba, und einem südlichen Μαδιαμα im „glücklichen Arabien“, d.h. in Arabia felix, dem Südwesten der Arabischen Halbinsel.  Nach Eusebius ist Μαδιaμ eine Stadt „südlich von Arabien in der Wüste der Sarazenen, östlich des Roten Meeres“ (Onomastikon 124,8−14). In mittelalterlichen arabischen Dokumenten wird der Ort Madyan genannt. Er wird bei al-Bad‘ im Wādī ‘Afāl ca. 120 km südlich von el-‘Aqaba lokalisiert.
[Detlef Jericke, 2017]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 19:01:15

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BHH 2 (1964), 1214 (Bach, Robert, Art. Midian, Midianiter)
  • NBL 2 (1995) 802‒804 (Knauf, Ernst Axel, Art. Midian und Midianiter)
  • ABD 4 (1992), 815–818 (Mendenhall, George E., Art. Midian [Person]); 5 (1992), 594‒596 (Parr, Peter J., Art. Qurayya)
  • DNP 8 (2000), 156 (Podella, Thomas, Art. Midian)

 

Literatur

Musil, Alois 1926a , 109‒120.278–298 ;  Abel, Félix-Marie 1933a , 285‒287 ;  Noth, Martin 1940a , 23 ;  Simons, Jan 1959a , 62f § 166 ;  Noth, Martin 1971a , 70 ;  Dumbrell, William J. 1975aGhoneim, Wafik 1980aParr, Peter 1982aWagner, Jörg 1983aSawyer, John F. A. / Clines, David J. A. 1983aMaiberger, Paul 1984a , 22 ;  Högemann, Peter u.a. 1987aWagner, Jörg / Rademacher, Rochus 1988aPill-Rademacher, Irene u.a. 1988aKnauf, Ernst Axel 1988aBawden, Garth / Edens, Christopher 1988aHoutman, Cornelis 1993a , 113 ;  Schmitt, Götz 2001aRevell, Ernest John 2001aOblath, Michael D. 2004a , 142 ;  Gerhards, Meik 2005aAl-Ghazi, Abdel Aziz bin Saud 2010aGroß, Walter / Gaß, Erasmus 2012a , 287‒322 ;  Utzschneider, Helmut / Oswald, Wolfgang 2013a , 97 ;  Nocquet, Dany R. 2017a , 180-223 ;